Nachruf für Sigrid Schella

Sigrid Schella

Für den letzten Kampf hat die Kraft nicht gereicht

Am 8. Oktober 2009 verstarb die Begründerin und langjährige Vorsitzende unseres Fördervereins für die Musikausbildung an der Musikbetonten Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe „Paul Dessau” e. V., Sigrid Schella. Sie hat so viele Kämpfe um ihre Schüler, die Musikausbildung und ihren Chor durchgestanden, ihre Kraft schien unerschöpflich zu sein. Die Krankheit war stärker und ließ ihr keine Zeit, das Rentnerdasein zu genießen. So hat sie den letzten, schweren Kampf leider verloren.

Sigrid Schella war Lehrerin aus Leidenschaft. Sie verstand sich dabei nicht nur als Wissensvermittlerin, sondern immer auch als Vermittlerin von Werten und als Erzieherin. Sie schaute bei Problemen nicht weg, sie mischte sich ein, sie setzte sich durch. Wer mit Sigrid Schella in Berührung kam, blieb nicht unberührt. Ihre Maßstäbe waren hoch und nicht jeder war bereit sich ihnen zu stellen. So polarisierte sie. Ihre Maßstäbe legte sie aber immer auch und zuerst an die eigene Arbeit. Sie forderte nicht nur von Anderen Höchstleistung, sondern an erster Stelle von sich selbst. Sie fand keine Ruhe, bevor nicht Probleme gelöst waren, war mit der eigenen Arbeit selten zufrieden, obwohl Fachleute diese Arbeit hoch lobten.

Das ganze Leben von Sigrid Schella stand im Zeichen der Musik, obwohl sie Lehrerin für Mathematik und Sport war. Seit dem sechsten Lebensjahr sang sie immer in Chören, in den letzten mehr als dreißig Jahren im Kirchenchor der Martin-Luther-Kirche und im Kantatenchor Zeuthen. Zu Studienzeiten leitete sie einen kleinen Studentenchor. Mit ihren eigenen drei Kindern sang sie und hielt sie zu nachhaltiger Beschäftigung mit Musik an, so dass alle Berufsmusiker wurden. Sie freute sich riesig, als „ihre” Schule 1979 den Namen „Paul Dessau” verliehen bekam. Von Stund an war sie Chorleiterin des neu gegründeten Chores und entwickelte diese vom gleichstimmigen Kinderchor zu einem der besten Jugendchöre Brandenburgs. Außerdem führte sie die Schüler an das Musiktheater heran.

Sie wünschte sich für die Schüler aber eine noch nachhaltigere Beschäftigung mit Musik – nicht mit dem Ziel der Vorbildung zukünftiger Berufsmusiker, sondern als unterstützendes Element in der Persönlichkeitsentwicklung der ihr anvertrauten Kinder. Dafür sah Sigrid Schella nach der Wende die Gelegenheit, suchte sich Verbündete und erkämpfte mit ihnen gemeinsam die Einführung eines Musikprojektes an der Schule, das 1994 in die Musikbetonung führte. Nun sangen die Schüler nicht nur, sondern erlernten ein Instrument, schulten ihre Stimme konsequent und lernten dadurch viel – nicht nur über Musik.

Zur Unterstützung dieser Arbeit mit den Kindern gründete Sigrid Schella gemeinsam mit Lehrern, Künstlern und Eltern unseren Förderverein. So konnten professionelle Künstler für Projekte mit dem Chor gewonnen werden – Regisseure, Sänger, Kostümbildner. Es konnten die Familien finanziell entlastet werden, indem Konzertreisen des Chores vom Förderverein teilfinanziert wurden. Sozial schwächeren Familien wurde bei der Finanzierung der Instrumentalausbildung geholfen. Sigrid Schella war bis zu ihrem Tod Vorsitzende des Fördervereins und kümmerte sich um jedes Detail.

Für ihr Engagement weit über das normale Maß hinaus wurde Sigrid Schella 2007 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Über das Engagement der Sigrid Schella, über ihre Liebe zu Kindern und zur Musik könnte man noch viel schreiben. Sie hatte Ideen und setzte sich mit ihrer ganzen Persönlichkeit für die Realisierung ein. Die Arbeit des Fördervereins werden wir in ihrem Sinne fortführen. Menschlich werden wir sie sehr vermissen.

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